Geburt ist etwas, das man selten erlebt!

 Wenn man es erlebt, sollte es außergewöhnlich schön und besonders sein. 

Angst ist der schlechteste Begleiter, wenn es um Geburt geht. Ich möchte Frauen und ihre Partner bestärken eine selbstbestimmte — weil auch informierte — und schöne Geburt zu erleben! 

Leonie Joos 

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Bild: Leonie Joos

Liebe Leonie, Mamaskraft ist dein Herzensthema und gleichzeitig der Name deines Unternehmens. Du möchtest werdenden und frischgebackenen Mamas in dieser sehr aufregendenen, aber auch anstrengenden Zeit Kraft schenken. Welche Kurse kann man bei dir besuchen?

Ich biete in Stuttgart und auch in Hildesheim HypnoBirthing- und Rückbildungskurse an. Ab April 2018 wird ein ganz neuer Kurs dazukommen: der Starke-Mama-Sportkurs im Anschluss an die Rückbildung. In allen Kursen sollen werdende und frischgebackene Mamas eine starke Kraftquelle finden.

 

Du bist studierte Physiotherapeutin und mit deinem Mann und zweieinhalb-jährigen Sohn erst vor einem Jahr nach Stuttgart gezogen. Nach dem Umzug war klar: du möchtest Beruf und Familie besser verbinden. Wie bist du zum HypnoBirthing gekommen?

Es fing mit der Vorbereitung auf die Geburt meines Sohnes an. In den ersten zwölf Wochen hatte ich mit vielen Unsicherheiten und Ängsten zu kämpfen. Ich stand im Job sehr unter Strom und war gestresst. Irgendwann las ich das Wort „HypnoBirthing“. Ich habe nur dieses Wort gehabt, ohne zu wissen, was wirklich dahinter steckt. Also fing ich an Bücher zu kaufen und viele Videos anzuschauen. Sehr gerne hätte ich auch einen Kurs besucht. Leider musste ich genau an dem Wochenende, an dem ein Kurs stattfand, arbeiten. Also habe ich mich selbstständig auf die Geburt vorbereitet.
Ich durfte eine sehr schöne und sanfte Geburt erleben. Ich dachte, das ist normal. In Gesprächen mit Freundinnen und Verwandten im Umfeld wurde mir klar, dass es nicht normal ist. Häufig ist die Geburt für Frauen ein absolutes Extremereignis — eine Grenzerfahrung — die teilweise sogar traumatisch ist. Da war der erste Funke in mir entzündet.

Es kann doch nicht wahr sein, dass Frauen seit Jahrmillionen Kinder bekommen, ohne dass es gut funktioniert. Als von familiärer und beruflicher Seite ein Umbruch anstand, war klar: Das möchte ich ändern!

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Du hast erzählt, du musstest selbst erst recherchieren, was konkret hinter dem Begriff HypnoBirthing steckt. Kannst du es uns genauer erklären?

HypnoBirthing bedeutet — wörtlich genommen — eine Geburt unter Hypnose. Da denkt man oft: „Hmm, wie ist das? Bin ich dann hypnotisiert?“

Tatsächlich geht es darum eine Selbsthypnose-Technik zu erlernen. Das ist Körper-Können – wie Fahrrad fahren. Dafür braucht es Übung. HypnoBirthing ist eine Philosophie und Überzeugung. Nämlich die: Frauen sind dazu gemacht und haben die Fähigkeit absolut in sich, natürlich und gut ihre Kinder auf die Welt zu bringen.
Neben dieser Einstellung gibt es ganz klare HypnoBirthing-Techniken, die man bei mir im Kurs lernt.

Es gibt 4 Säulen im HypnoBirthing: Selbsthypnosetechniken. Massagetechniken. Affirmationen. Und Visualisierung.

 

Kannst du die 4 Säulen des HypnoBirthing einmal genauer beschreiben? Im Geburtsvorbereitungskurs sind Atemtechniken ein großer Bestandteil. Sind diese auch beim HypnoBirthing-Kurs wichtig?

Die Atemtechniken gehören zu den Entspannungstechniken. Diese unterstützen die Geburt, damit die Gebärmutter gut arbeiten kann und mit Sauerstoff versorgt wird. So wird einerseits das Baby zu jeder Zeit bestmöglich mit Sauerstoff versorgt und die Mama kommt nicht in einen Erschöpfungszustand hinein. Zu den Entspannungstechniken gehören auch die Selbsthypnosetechniken, bei denen sich die Mama durch das Hören von bestimmten Texten in einen entspannten, konzentrierten Zustand versetzt und in ein Flow-Gefühl kommt.

Die Massagetechniken sorgen dafür, dass Oxytocin – also Glückshormone – ausgeschüttet werden. Das sind die Hormone, die wir bei einer Geburt wollen. Alles, was ein bisschen aufputscht, kräftigt und glücklich macht.

Affirmation ist ein sperriges Wort, dahinter verstecken sich Glaubenssätze. Wir haben alle irgendwelche Überzeugungen, die sich über die Jahre oder durch äußere Einflüsse manifestiert haben. Zum Beispiel: Geburt muss schmerzhaft sein. Geburt ist anstrengend. Oder Geburt ist eine Grenzerfahrung. Wir versuchen diese aufzulösen und mit positiven, motivierenden Glaubenssätzen zu überlagern.

Wir arbeiten auch mit Visualisierung, also mit bildlichen Vorstellungen, wie die Geburt verläuft oder auch schon die Schwangerschaft. Es ist nachgewiesen: wenn ich in meinem Kopf vorher etwas durchspiele, ist es sehr wahrscheinlich, dass mein Körper dem dann auch folgt.

Das sind die vier Säulen des HypnoBirthing. Für mich kommt noch eine weitere Säule hinzu: Information. Zu wissen: was ist normal, was ist gesund, was ist gut? Wie viele Einflussmöglichkeiten habe ich, meine Geburt zu gestalten? Ich muss nicht an der Kliniktür meine Verantwortung abgeben, sondern habe unglaublich viel Spielraum. Egal, wie die Geburt verläuft.

Ich habe selber entschieden und wurde gut informiert.

Selbstbestimmung und Verantwortung zu erleben! Das ist das Entscheidende für die Frauen. Sie brauchen das Gefühl:  Ich habe selber entschieden und wurde gut informiert. Das ist ein Faktor, der eine gute Geburtserinnerung ausmachen kann.

 

Ersetzt der HypnoBirthing-Kurs die klassische Geburtsvorbereitung?

Ja, das kann man so sagen. Wenn man trotzdem einen Geburtsvorbereitungskurs machen möchte, sollte man diesen vor dem HypnoBirthing-Kurs machen. Wichtig ist, dass der HypnoBirthing-Kurs am besten schon um die 20. Woche besucht wird. Das ist recht früh im Vergleich zu Geburtsvorbereitungskursen. Beim traditionellen Geburtsvorbereitungskurs ist oft die Babypflege ein Thema. Also wie bade oder wickel ich mein Baby. Ich persönlich finde dies ist ein extra Thema. Und bin absoluter Befürworter der Hebammenversorgung, die dann ins Wochenbett kommt. Es ist immer leichter dies direkt mit dem Baby zu erlernen, als vorher nur in der Theorie.

 

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Ist der Partner beim HypnoBirthing-Kurs dabei?

Ja, der Partner ist bei allen vier Kursterminen dabei. Im HypnoBirthing-Kurs werden die Männer sehr intensiv geschult. Durch die aktuelle Lage um die Hebammenbetreuung ist es sehr wahrscheinlich, dass es Zeiten gibt, in denen die Gebärende und ihr Partner allein im Kreissaal sind. Gerade in Zeiten, in denen vielleicht nicht so viel passiert und wo die Begleitung durch die Hebamme nicht gegeben ist, ist es unglaublich wertvoll, wenn der Partner hier unterstützen kann und sich auch sicher fühlt. 

Es ist wunderbar zu sehen, wie sicher die Papas durch die Kurse werden.

Der Wunsch ist, während der Geburt in einen entspannten Flow-Zustand zu kommen. Es geht eigentlich nur darum – und das ist etwas ganz natürliches, was unter der Geburt passiert – dass man in einen ganz intuitiven, auf sich selbst konzentrierten Zustand kommt. Dass die Mama ganz bei sich sein kann und sich nicht im Außen um irgendwas kümmern muss. Der Papa ist dafür da, diesen Zustand der Mama zu schützen. Das heißt, dass er die Kommunikation mit dem Personal übernimmt. Und dass er andererseits auch die Techniken kennt, um die Mama zu unterstützen. Es ist wunderbar zu sehen, wie sicher die Papas durch diese Kurse werden und wie souverän sie unter der Geburt dann auch sind.

 

Nun gibt es Mütter, die ihre Geburt als sehr schmerzhaft und traumatisierend beschreiben. Die auch im Umfeld immer die gleichen Horrorstories hören. Und die behaupten, HypnoBirthing ist realitätsfremd.

Wir arbeiten beim HypnoBirthing sehr viel an genau diesen Überzeugungen und an diesen Erlebnissen. Es gibt Frauen, die erleben eine Geburt ganz ganz schmerzhaft und schlimm. Und erleben dann eine Geburt nahezu schmerzfrei. Ich würde niemals irgendjemandem ein Geburtsergebnis versprechen. Das kann ich gar nicht. Es gibt Geburten, die sind schmerzfrei. Da gibt es auch einige mit HypnoBirthing.

Meine Geburt war schon so, dass ich das als Schmerz bezeichnen würde. Es war aber für mich jederzeit gut erträglich und ich habe immer abgewartet, dass mehr kommt. Weil ich eben auch die Vorstellung hatte, dass es ganz extrem sein muss.

Es gibt ruhige Geburten, es gibt laute Geburten. Es gibt sanfte Geburten, es gibt Intensive. Man kann im Vorhinein kein Erlebnis versprechen. Geburt ist etwas Unplanbares! Doch man kann sich vorbereiten, um mit allem, was auf einen zukommt, umgehen zu können. Wir sprechen im HypnoBirthing nicht viel über Schmerzen. Denn das, was für mich Thema ist, was ich ganz oft gehört und gesehen habe, davon gehe ich aus, dass es mich erwartet.

 

Eine Frage dazu noch: Man könnte von außen denken, wenn meine Geburt sich nicht leicht und gut angefühlt hat, habe ich etwas falsch gemacht.

Nein, überhaupt nicht. Um wirklich eine Hypno-Geburt zu haben, in der man in diesen Zustand kommt, braucht es sehr viel, sehr intensive Vorbereitung. Das ist meine Erfahrung. Das muss man wirklich lernen und trainieren. Das ist sehr, sehr intensiv. Ich habe manchmal Mamas, die mir sagen: „So richtig, weiß ich gar nicht, ob das mit der Hypno-Geburt geklappt hat.“

Deshalb biete ich immer Nachgespräche an. Ich frage nach: „Wie ist es gewesen? Wie war dieser Moment?“ Ich kann im Nachhinein ganz oft bestärken und auch herausheben, was die Mama geleistet hat. Was das Wertvolle an dieser Geburt war. Wir Mamas sind oft sehr selbstkritisch.

Eine Mama leistet unter jeder Geburt Unglaubliches!

Egal ob bei der natürlichen Geburt oder im absoluten Not-Kaiserschnitt. Mamas kämpfen wie Löwen für ihre Kinder. Ob unter der Geburt oder im Anschluss.
Was mir die Mütter nach der Geburt immer sagen: „Die Atmung hat mir total geholfen. Ich hatte die Geburt, die für mich richtig war und die ich mir gewünscht habe.“
Es gibt kein Ideal. Ich habe ein Ideal für meine persönliche Geburt, aber für mich ist das Wichtigste, dass die Mamas die Geburt haben, die sie sich wünschen. Wie die dann aussieht, das kann total unterschiedlich sein. Geburt ist größer als wir!

 

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Wenn du werdenden Eltern 3 Tipps für die bevorstehende Geburt mitgeben könntest, welche wären das?

Darf ich auch vier sagen? 🙂 Meine vier Prämissen für eine Geburt:

  1. Die erste und allerwichtigste ist: Es ist eure Geburt. Ihr seid die Eltern, es ist euer Kind und in erster Linie müsst ihr gute Eltern sein, bevor ihr gute folgsame Patienten seid. Ihr habt jedes Recht dieses Ereignis für euch zu gestalten und dürft es ganz in Eigenverantwortung für euch schön machen.
  2. Jede Geburt hat ihre eigene Zeit. Und zwar die eigene Zeit, zu der sie anfängt und die eigene Zeit, die sie dann braucht. Es gibt den Entbindungstermin, aber nur 4 oder 5 Prozent der Kinder kommen am errechneten Termin. Dieser Termin ist Schall und Rauch! Den würde ich mir sofort aus dem Kopf streichen. Es gibt eine Entbindungszeit. Die ist in der Regel zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Termin. Bis dahin ist alles in einer normalen Zeitspanne.
  3. Der Geist herrscht über den Körper. Das ist meine Erfahrung und auch ein HypnoBirthing-Bestandteil. Wir kennen dies von verschiedenen Körperbegleiterscheinungen wie: Die Angst sitzt mir im Nacken, also verspanne ich mich.  Oder Sportler, die weiterlaufen, obwohl sie verletzt sind und den Schmerz überhaupt nicht spüren. Hier kann man sehen, welch unglaubliche Macht der Geist über den Körper hat und dass wir darauf Einfluss haben. Allein durch die richtige Atmung unter der Geburt können wir dafür sorgen, dass unser Körper in keinen Stresszustand kommt, sondern in einer entspannten, geburtsunterstützenden Stimmung bleibt.
  4. Geburt ist größer als wir. Wir können nicht wissen, was wann dran ist oder wie die Geburt aussehen muss. Es gibt so viele Faktoren, die da zusammen spielen. Da sind die Mama, das Baby, die körperlichen Faktoren, da sind die Geschichte der Mama und die Umgebungseinflüsse. Es ist ein perfektes Zusammenspiel, das VIEL größer ist als wir. Wir können es nicht besser machen, als es von der Natur gedacht und gemacht ist. Wir können nur dann eingreifen, wann es nötig ist und das ist ein Segen. Deswegen sieht auch jede Geburt anders aus und jede Geburt ist ein eigenes Ereignis.
    An dies mit ein bisschen Demut heranzugehen, ist auch ein guter Gedanke.

 

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Hast du Buchtipps zum Thema HypnoBirthing?

Ich habe drei Bücher, die ich gerne zum Thema HypnoBirthing empfehle. Der Klassiker von der Entwicklerin vom HypnoBirthing ist: Marie F. Mongan – „Hypnobirthing“. Das ist eigentlich das Basisbuch. Das Buch wurde schon in den 80-er Jahren geschrieben und ist für manche zu idealistisch. Es gibt zwei neuere HypnoBirthing-Bücher, die von deutschen Kolleginnen geschrieben wurden. Das eine heißt „Traumgeburt“ von Alexandra Kopf. Und das andere heißt „Autogene Geburt: Mit HypnoBirthing selbstbestimmt gebären“ von Tatje Bartig-Prang. Es ist auch jeweils eine CD oder eine Downloadmöglichkeit dabei für die Entspannungsübungen.

 

Wenn du einen Wunsch frei hättest, würdest du dir wünschen …

… dass wir in Deutschland ein System hätten, indem werdende Eltern und ganz frisch gebackene Eltern — und hier besonders die Mamas — in den Fokus gerückt werden und gestärkt werden. Für mich haben dabei die Hebammen die zentrale Rolle. Deswegen wünsche ich mir, dass in dieser Zeit Familien betreut, versorgt, unterstützt und begleitet werden und dass wir hierfür Menschen haben, die das können! Und das sind die Hebammen. Weil unsere Gesellschaft eben mit dem Anfang des Lebens an anfängt. Wie Menschen auf die Welt kommen, wie Familien entstehen, welche Kräfte da freigesetzt oder auch gehemmt werden, sind entscheidend für den weiteren Lebensweg jedes einzelnen Babys. Mir ist wichtig, dass wir die Frauen wieder in den Fokus rücken. Wir haben eine sehr kinderzentrierte Gesellschaft – was auch wertvoll und schön ist – aber ich glaube, der Fokus sollte wieder auf den Frauen liegen. Sie bringen die Babys auf die Welt von ihnen ist die Geburt im Großen und Ganzen abhängig. Diese Frauen sollen mit einem guten Gefühl Kinder auf die Welt bringen können.

Vielen Dank für das Interview, liebe Leonie.

Leonie Joos hat sich im Jahr 2017 mit „Mamaskraft“  in Stuttgart selbstständig gemacht. Die studierte Physiotherapeutin ist verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn und einen Bauchzwerg. Sie möchte mit ihren HypnoBirthing-Kursen in Stuttgart werdenden Müttern die Angst vor der Geburt nehmen.

HypnoBirthing in Stuttgart bei Leonie Joos von Mamaskraft:

Website: http://leoniejoos.com

Facebook: http://facebook.com/byLeonieJoos

Instagram: https://www.instagram.com/mamaskraft

 

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